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Der Stasiknast in Berlin Hohenschönhausen

Der Stasiknast in Berlin Hohenschönhausen

Titelbild: ©Gedenkstätte Hohenschönhausen

Seit 1939 Großküche der nationalsozialistischen Volkswohlfahrt, nach dem Zweiten Weltkrieg das Speziallager Nummer 3 der Sowjets, dann zentrales Untersuchungsgefängnis der sowjetischen Besatzungsmacht und schließlich ab 1951 zentrale Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR – die heutige Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. 1994 wurde die Gedenkstätte gegründet und informiert Besucher über die Geschichte der Haftanstalt Hohenschönhausen zwischen 1945 und 1989. Politische Verfolgung und Unterdrückung in der kommunistischen Diktatur der DDR in all ihren Formen und mit all ihren Folgen sollen am Beispiel dieses Gefängnisses nähergebracht werden.

Die Geschichte des Stasi-Knasts

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland – und so auch Berlin – unter den vier Besatzungsmächten aufgeteilt. Es gab den demokratischen Teil der USA, Großbritanniens und Frankreichs und es gab den sowjetischen Teil, in dem nach russischem Vorbild die Deutsche Demokratische Republik (DDR) aufgebaut werden sollte. Das Gelände der heutigen Gedenkstätte Hohenschönhausen stand auf sowjetischer Seite und wurde von der Besatzungsmacht von einer Großküche in das sogenannte Speziallager Nr. 3 umgewandelt. 16.000 Menschen wurden hier gesammelt, um dann in die Speziallager in Weesow, Ketschendorf und in das KZ Sachsenhausen transportiert zu werden.

Vor allem Terroristen, Spione, Polizei- und Geheimdienstangehörige, NSDAP-Aktivisten und andere Sowjet-feindliche Gruppen saßen hier ein. Und das unter haarsträubenden Bedingungen: viel zu viele Menschen waren auf viel zu wenig Raum eingepfercht, die hygienischen Bedingungen und die Versorgung waren unterirdisch. Aufgrund dieser Bedingungen kamen hier in dieser Zeit um die 1000 Menschen ums Leben, die dann in anonymen Massengräbern auf einem Schuttablageplatz verscharrt wurden.

Im Oktober 1946 wurde das Speziallager Nr. 3 aufgelöst und die Sowjets richteten hier das zentrale Untersuchungsgefängnis für Deutschland ein. Dafür mussten Häftlinge den Keller in einen fensterlosen Zellentrakt umbauen. Die Zellen waren gerade mal 2 × 3 Meter groß und es gab weder Frischluft noch Tageslicht. In den Zellen gab es nur eine kleine Pritsche und einen Kübel, Tag und Nacht brannte das Licht. Einige Zellen konnten sogar geflutet werden, daher erhielt der Gefängnistrakt den Namen „U-Boot“. Damals waren hier vor allem Menschen inhaftiert, die nicht als linientreu galten oder NS-Verdächtige waren. Die Urteile dieser Menschen beinhalteten Vorwürfe wie „antisowjetische Propaganda“, „Spionage“, „Mitglied einer parteifeindlichen Gruppe“ oder auch „Bildung einer trotzkistischen Gruppe“.

Im Jahr 1951 wurde der Gebäudekomplex dann vom Ministerium für Staatssicherheit der DDR übernommen und als zentrale Untersuchungshaftanstalt genutzt. Die Stasi stockte das Hauptgebäude um zwei Geschosse auf und baute ein weiteres Gebäude. Somit gab es dann einen Haftbereich und einen Vernehmungsbereich. Im Vernehmungsbereich wurden die Häftlinge im Schichtsystem verhört, Tag und Nacht. Die Stasi inhaftierte hier insgesamt 11.000 Menschen, vor allem Andersdenkende und systemkritische Personen. Ende der Fünfzigerjahre wurde das Kellergefängnis dann von einem neu gebauten Gebäude mit 200 Zellen und Verhörräumen abgelöst.

Das “U-Boot” ©Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen/Gvoon

Unzufriedenheit in der DDR

Zur gleichen Zeit kam in der DDR immer mehr Unzufriedenheit auf. Nach der NS-Herrschaft war das sozialistische System für viele Menschen in der DDR ein Hoffnungsträger. Doch nachdem die Meinungsfreiheit ausgesetzt wurde, die Reisefreiheit beschnitten, das Versammlungsverbot eingeführt wurde, bröckelte diese Fassade. Dazu wurde Anfang der Fünfzigerjahre auch noch die gesamte Landwirtschaft zwangskollektiviert. Die Unzufriedenheit der Bürger der DDR wuchs somit stark an und entlud sich in den Arbeiter- und Bauernaufständen 1953. Die DDR-Führung ging mit voller Gewalt gegen die Demonstrierenden vor. Mindestens 55 Menschen starben. Dieses Ereignis bewegte viele, selbst bis dahin systemtreue Bürger zu einem ersten Umdenken. Spätere Repressalien wegen vermeintlich belangloser Äußerungen oder getätigter Handlungen, die vom DDR-Regime als systemfeindlich dargestellt wurden, ließen weitere Zweifel am sozialistischen System wachsen. Vor allem junge Menschen, die die Ungerechtigkeit in der DDR sahen, versuchten in den Westen zu gelangen. Allerdings wurde in der DDR schon der Versuch einer sogenannten „Republikflucht“ mit langjährigen Haftstrafen belegt. Andere Häftlinge versuchten tatsächlich die Mauer zu überwinden und wurden dabei verhaftet.

Das Gefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR

Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 wurden hier vor allem die Republikflüchtlinge untergebracht, aber auch SED-Kritiker und Bürgerrechtler waren hier inhaftiert. Das Gefängnis war von einer sehr hohen Mauer umgeben, an die sich ein Sperrgebiet rund um den Knast anschloss. Auch im Sperrgebiet wohnten ausschließlich systemtreue Personen, meist Stasi-Offiziere. Auf den Karten der DDR war es ein weißer Fleck, das Stasi-Gefängnis existierte offiziell gar nicht. Daher wusste auch niemand so genau was sich hier abspielte.

Da die DDR vor allem vor dem Westen ihr Gesicht wahren wollte, wurde die physische Folter, wie sie noch in dem Keller-Gefängnis stattgefunden hat, abgelöst von der sogenannten psychischen Folter. Mit der juristischen Hochschule in Potsdam gab es sogar einen Ort, an dem den Gefängnismitarbeitern die Methoden der Erniedrigung und Zersetzung von Menschen beigebracht wurden. Mit raffinierten psychologischen Maßnahmen wurden Geständnisse und Aussagen erzwungen. So wurden die Häftlinge zum Beispiel schon auf den Weg zum Gefängnis in einem fensterlosen Barkas mit eingebauten Zellen und zum Teil über riesige Umwege in die Haftanstalt transportiert. So wussten sie nicht einmal, wo sie gefangen gehalten werden. Einige Gefangene fanden das tatsächlich erst nach ihrer Haftentlassung heraus. Im Gefängnis angekommen folgte eine ausgiebige Leibesvisitation. Isolationshaft, tagelanger Dunkelarrest, Drohungen, monatelange Verhöre und permanentes Wecken in der Nacht sind nur einige der Maßnahmen. Besuche von Freunden und Verwandten oder auch von den eigenen minderjährigen Kindern war komplett untersagt. Nicht einmal die Häftlinge untereinander durften sich sehen. Dazu gab es in dem Gefängnis tritt sogar ein Ampelsystem, welches zufällige Begegnungen auf den Gängen verhindern sollte. Viele der ehemaligen Häftlinge berichten, dass sie sich durch die ständige Isolation regelrecht auf ihre Verhöre freuten, um so endlich mal wieder mit einem Menschen sprechen zu können. Tägliche Angst und die ständige Ohnmacht gegenüber dem mächtigen DDR Staatsapparat prägten den Alltag der Häftlinge.

Andere Methoden der „weißen Folter“ – so nannte man die psychische Folter – waren zum Beispiel, dass sich die Häftlinge den ganzen Tag über stundenlang auf einen Hocker setzen oder in der Zelle herumlaufen mussten. Sich auf das Bett zu legen war nicht erlaubt. Während man da so saß wurde in regelmäßigen Abständen von den Gefängniswärtern kontrolliert, dass man auch auf gar keinen Fall einschlief. Auch nachts wurde manchmal alle 3 Minuten das grelle Licht in der Zelle angeschaltet, um zu vermeiden dass man überhaupt schlief. Und der Hofgang fand in einem 10 × 4 m großen ummauerten „Käfig“ mit einem Zaun als Dach statt. So sollten Sie mürbe gemacht werden und zur Aussage der Dinge, die die Staatssicherheit hören wollte, gezwungen werden.

Als die Mauer 1989 fiel, wurde das Ministerium für Staatssicherheit der DDR am 17. November 1989 in das Amt für Nationale Sicherheit umgewandelt. Pikanterweise wurden nach dem Mauerfall hier in Hohenschönhausen ehemalige SED-Funktionäre inhaftiert. Selbst Stasi-Chef Erich Mielke saß hier kurzzeitig ein.

Am 14. Dezember 1989 musste das Amt für Nationale Sicherheit auf Druck der demokratischen Bürgerbewegung aufgelöst werden. Damit wurden auch die Untersuchungsgefängnisse aufgelöst. Im Frühjahr 1990 wurden die letzten Gefangenen hier entlassen. Am 2. Oktober 1990 wurde das Gefängnis in Hohenschönhausen an die Westberliner Justiz übergeben und geschlossen.

Gefängniszelle im Neubau ©Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen/Gvoon

Vom Gefängnis zur Gedenkstätte

Vier Jahre lang blieb das Gefängnis ungenutzt, aber seine Räumlichkeiten blieben weitgehend erhalten. Die Gebäude und das Grundstück gehören dem Land Berlin, welches sich heute gemeinsam mit dem Bund die Finanzierung der Gedenkstätte Hohenschönhausen teilt. Heute führen ehemalige Häftlinge durch die Räumlichkeiten und erzählen dir ihre Geschichte. Es gab sogar Zeiten, in denen diese Führungen von ehemaligen Stasimitarbeitern und Stasioffizieren gestört wurden, in dem diese sich als sächsische Historiker ausgaben und die Schilderung der Foltermethoden anzweifelten.

Der ältere Teil des Gefängnisses wurde zwei Jahre lang saniert. Heute kann hier das „U-Boot“ und eine Dauerausstellung besichtigt werden. Im Jahr 2006 wurden vier Gedenktafeln für die „Opfer der kommunistischen Diktatur“ aufgestellt um die Sperrzone rund um das Gefängnis zu kennzeichnen.

Die Gedenkstätte Hohenschönhausen hat heute mehr als 450.000 Besucher pro Jahr. Sie hat den Auftrag, durch Veranstaltungen und Ausstellungen die Geschichte des Gefängnisses und die Geschichten der Häftlinge zu erzählen und das kommunistische Unrecht aufzuarbeiten.

Was gibt es zu sehen im Stasi Knast?

Bei deinem Besuch im ehemaligen Stasiknast in Hohenschönhausen gehst du nicht einfach so durch die Gefängniszellen, sondern du wirst hier tatsächlich von ehemaligen Häftlingen durch das Gefängnis geführt. Die Zeitzeugen erzählen dir ihre Geschichte – von ihrer Ankunft im Gefängnis, über ihre Erlebnisse im Gefängnis bis hin zu ihrer Zeit danach. Dadurch erfährst du authentische Geschichten aus erster Hand. Du kannst Fragen stellen und dich genau darüber informieren, wie es im Gefängnis zugegangen ist. Die Führungen bekommen daher natürlich auch eine ganz persönliche Note, die dir die komplette Willkür und die Macht des SED-Staatsapparates vor Augen führt. Gemeinsam gehst du mit dem Zeitzeugen durch die Zellen und die Gefängnisgänge und bekommst so einen ganz besonderen Eindruck davon, wie sich die Haftzeit hier wohl angefühlt haben muss. Du erfährst warum sie so unzufrieden in der DDR waren und dass manchmal schon aus heutiger Sicht recht belanglose Dinge ausreichten, um mehrere Monate im Stasi Gefängnis zu landen.

Die Gedenkstätte Hohenschönhausen kann nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Neben ehemaligen Häftlingen führen hier auch Historiker durch die Räumlichkeiten. Trotzdem ist eine Anmeldung für Einzelpersonen vorher nicht notwendig.

Vernehmungszimmer im Neubau ©Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen/Gvoon

In der Nähe der Gedenkstätte Hohenschönhausen

In der Nähe der Gedenkstätte Hohenschönhausen gibt es leider keine großen Sehenswürdigkeiten, die fußläufig erreichbar wären. Falls ihr aber im Sommer hier seid und Lust auf eine kleine Abkühlung habt, könnt ihr in einem 20-minütigen Fußmarsch zum Strandbad Orankesee laufen. Hier gibt es einen kleinen Sandstrand mit Strandkörben, einen Imbiß und sogar eine Rutsche. Ab 17:00 Uhr kostet der Eintritt hier nur noch 3 Euro pro Person.

Sollte euch das Themen DDR und die Berliner Mauer noch weiter interessieren, setzt euch doch in den 256er Bus und fahrt zum Stasimuseum. Dieses befindet sich auf dem ehemaligen Gelände der Stasi-Zentrale. Hier könnt ihr zum Beispiel den Dienstsitz von Stasi-Chef Erich Mielke und viele Beispiele, wie die Stasi ihr Volk bespitzelt hat, sehen.

Natürlich möchten wir euch an dieser Stelle auch wärmstens das Berlin City Game empfehlen. Mit diesem Sightseeing Escape Game entdeckt ihr aus Berlin zu Zeiten der Mauer durch Rätsel und Aufgaben. Das Spiel tendiert gleich hier kaufen.

Wenn euch der Hunger nach eurem Gedenkstättenbesuch packt, schaut doch mal im La Picá de Deli Mel in der Freienwalder Straße 14a vorbei. Hier gibt es leckere Empanadas zu günstigen Preisen und der Imbiss hat sogar einen Kleinbiergarten.

Ansonsten gelangt ihr mit der Straßenbahn M4 oder der M5 in 30 Minuten zum Alexanderplatz und von hier aus schnell zu allen Teilen der Stadt.

ADRESSE:

Gedenkstätte Hohenschönhausen

Genslerstraße 66,1 3055 Berlin

https://www.stiftung-hsh.de/

SO KOMMST DU HIN:

Tram M5 bis Freienwalder Straße

Bus 256, N 56 bis Große-Leege-Straße / Freienwalder Straße

TICKETS:

Erwachsene: 6 €

ermäßigt: 3 €, Schüler: 1 €

Ein Anmeldeformular für Gruppen findest du hier: https://www.stiftung-hsh.de/service/fuehrungen/anmeldung-fuer-gruppen/

ÖFFNUNGSZEITEN:

Eine Anmeldung für Einzelpersonen ist nicht erforderlich. Das Stasi Gefängnis kann nur im Rahmen einer Führung besucht werden.

März bis Oktober: die Deutsche Führung findet täglich von 10:00 bis 16:00 Uhr zu jeder vollen Stunde statt.

November bis Februar: die deutsche Führung findet montags bis freitags um 11:00 Uhr, 13:00 Uhr und 15:00 Uhr statt.

 

weitere Adressen, Öffnungszeiten und Tickets

Strandbad Orankesee

Gertrudstraße 7,1 3053 Berlin

Die Öffnungszeiten:

Mai bis Oktober: 09:00 bis 19:00 Uhr

Tickets:

Erwachsene: 5 Euro

ermäßigt: 3 Euro

Stasimuseum Berlin

Normannenstraße 20, Haus 1,1 0365 Berlin

www.stasimuseum.de

Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag 10:00 bis 18:00 Uhr

Samstag, Sonntag, Feiertage 11:00 bis 18:00 Uhr

Tickets:

Erwachsene: 8 Euro

ermäßigt: 6 Euro

Schüler: 3 Euro

Leihgebühr Audio Guide: zwei Euro

Öffentliche Führungen für Besucher finden jeden Tag um 13:00 Uhr (deutsch) und 15:00 Uhr (englisch) statt. Treffpunkt ist das Foyer.

 

Ines
ines@berlin-city-game.com

Ich liebe Berlin! Als eine der wenigen waschechten Berliner möchte ich dir meine Stadt zeigen. In Ost-Berlin geboren und aufgewachsen schreibe ich hier nicht nur über die typischen Sehenswürdigkeiten Berlins sondern auch über die Berliner Mauer und vielleicht nicht so offensichtliche aber dennoch spannende Orte in der Stadt. Komm mit auf die Reise nach Berlin und lass uns gern einen Kommentar da!

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