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Die Berliner Mauer – wer, wann, warum?

Die Berliner Mauer – wer, wann, warum?

155 km war sie lang und umrundete einmal Westberlin – die Berliner Mauer. Sie bestand aus ca. 128.000 vorgefertigten Betonplattenwänden, die ein Gesamtgewicht von ungefähr 335.500 t hatten. In einer geraden Linie aufgestellt hätten die Mauer vom Fernsehturm bis nach Magdeburg gereicht. Die Berliner Mauer wurde am 13. August 1961 in einer Nacht und Nebel Aktion errichtet und stand 28 Jahre. Familien, Freunde und Kollegen wurden getrennt. Heute ist die Mauer bis auf wenige Reste vollkommen aus dem Straßenbild Berlins verschwunden. Einige letzte Teilstücke kann man noch an der East Side Gallery, an der Gedenkstätte Bernauer Straße und an der Niederkirchnerstraße besichtigen. Ein Teil des Mauerverlaufs ist sogar mit kleinen Pflastersteinen markiert, die quer über die Straßen Berlins verlaufen. Auch einige Kuriositäten brachte die Berliner Mauer mit sich: so gab es Häuser deren Wohnungen im Ostteil lagen, der Bürgersteig davor aber im Westteil.

Ab 1960 gab es für die DDR Grenzsoldaten den „Schießbefehl“, der 1982 sogar formell in ein Gesetz gefasst wurde. 11.500 Soldaten und 500 Zivilbeschäftigte gehörten zu den Grenztruppen. Allein in Berlin starben zwischen 136 und 245 Menschen bei ihrem Versuch die Mauer zu überwinden.

Es gab insgesamt 25 Grenzübergangsstellen an der gesamten Berliner Mauer. Der sicherlich bekannteste ist der Checkpoint Charlie, den allerdings nur Diplomaten und Alliierte nutzen durften. Heute ist die Mauer fast restlos abgerissen. Einige Teile davon sicherten sich findige Souvenirhändler um die Wendezeit herum, und verkaufen die Mauerreste bis heute an Touristen.

Doch warum wurde die Mauer überhaupt gebaut? Und wer hat sie errichtet? Diese Fragen wollen wir für euch in dem folgenden Artikel erklären.

Wie kam es zum Bau der Mauer?

Nach dem Sieg über Hitler – Deutschland 1945 wurde das Land in vier Besatzungszonen unterteilt. Es gab die drei westlichen Zonen der USA, Großbritanniens und Frankreichs und es gab die „Ostzone“ der Sowjetunion. Die drei Westzonen bildeten die spätere Bundesrepublik. Hier gab es eine parlamentarische Demokratie nach westlichem Vorbild. In der „Ostzone“ aber gab es eine Diktatur. Diese war gestützt auf das Machtmonopol der sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). An ihrer Spitze stand Walter Ulbricht. Versammlungs- oder Pressefreiheit und auch die Vereinigungsfreiheit gab es nicht mehr. Dafür gab es aber eine Geheimpolizei, die mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet wurde- das Ministerium für Staatssicherheit, kurz Stasi. Mithilfe der 1950 gegründeten Stasi bespitzelte man seine Bürger in der DDR in ihrem täglichen Leben und unterdrückte im Auftrag der allein regierenden SED jegliches Andersdenken und Aufbegehren. Es gab erhebliche Nachteile für Menschen, die nicht systemkonform handelten und es gab willkürliche Verhaftungen.

Bei der Aufteilung Deutschlands 1945 stritt man sich auch um die Hauptstadt Berlin. Jede der vier Mächte wollte auch hier einen Teil abbekommen. Daher wurde auch Berlin in vier Sektoren unterteilt. Die drei Westzonen Berlins lagen nun aber mitten in der DDR, rund herum befand sich Sowjetzone. Auch Rundfunkanstalten aus dem Westen konnten weiterhin kritische Beiträge über Ost Berlin senden, so ließ sich aus Berlin nicht von demokratischem Gedankengut und dem westlichen Lebensstil abgrenzen. Außerdem flüchteten immer mehr Ostdeutsche über die noch offene Sektorengrenze nach Westberlin. Die DDR Führung sprach immer mehr politische Repressalien aus. So wurde zum Beispiel die Landwirtschaft Zwangskollektiviert. Das ließ die Flüchtlingszahlen natürlich weiter ansteigen. In den Jahren von 1949 bis 1961 sind insgesamt rund 2,7 Millionen Menschen aus der DDR in den Westen geflüchtet. Die SPD-Führung machte sich daher so ihre Gedanken, wie man diese Fluchtbewegung aufhalten könnte. Andererseits wollte man das Volk natürlich auch nicht verunsichern und so versprach im Jahr 1961 der DDR Staatschef Walter Ulbricht „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen“. Das war eine glatte Lüge, denn hinten herum war es Ulbricht, der seine Vorgesetzten in der Sowjetunion mehrfach zur Erteilung der Erlaubnis zum Bau einer Mauer drängte. Zwei Monate später, in der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 setzte Ulbricht sein Vorhaben in die Tat um erteilte um 1:00 Uhr nachts den Befehl zur Abriegelung der innerstädtischen Grenze. Diese wurde notdürftig mit Stacheldrahtrollen gesichert und Grenzpolizisten, kasernierte Volkspolizisten und parlamentarische Kampfgruppenverbände wurden als Grenzsicherer herbeigerufen. Von einem Tag auf den anderen konnten Berliner nicht mehr ihre Verwandten im Westteil der Stadt besuchen, Schüler die im Ostteil lebten und im Westen zur Schule gingen verloren ihre Klassenkameraden, Studenten mussten ihr Studium aufgeben. Tausende von Menschen verloren ihre Wohnung, ihre Arbeit oder ihren Besitz im anderen Teil der Stadt.

In den folgenden Tagen baute man die Grenze mit Stacheldrahtverhauen, Sperren, Betonplatten und einer schnell hochgezogenen Mauer aus. Berlin wurde zu einer ummauerten Insel mitten in der DDR, an den Grenzen wurde scharf geschossen, falls jemand versuchte in den Westen zu gelangen. Häuser die auf Ostseite in unmittelbarer Grenznähe standen, wurden kurzerhand geräumt und die Fenster zum Westteil hin wurden einfach zugemauert. Oft wurden genau diese Häuser später abgerissen um weitere Fluchten zu verhindern und den Grenzern am Grenzstreifen ein freies Schussfeld zu schaffen.

An der Bernauer Straße in Berlin ereigneten sich dramatische Szenen: Hier wurden alle Häuser im Osten am 25. und 26. September 1961 zwangsgeräumt. Die Gehwege der Häuser lagen aber bereits im Westen. Um dem DDR Regime zu entkommen stürzten sich viele Bewohner aus ihren Fenstern oder seilten sich an Bettlaken und ähnlichem ab, um den rettenden Bürgersteig im Westen zu erreichen. Die Westberliner Feuerwehr versuchte so gut es ging die Menschen mit Sprungtüchern aufzufangen. 1965 wurden die Vorderhäuser an der Bernauer Straße flächendeckend abgerissen, nur die Außenmauern der Erdgeschosse blieben stehen. Diese dienten als provisorische Grenzbefestigung und wurden später in die Grenzmauer integriert. Generell wurden Wohnungen die sich in Grenznähe befanden nur noch an „zuverlässige Bürger“ vergeben. Das waren natürlich meist Parteigenossen. Es wurde immer schwieriger allein in die Nähe der Mauer zu gelangen. In den 28 Jahren, in denen die Mauer stehen sollte, gab es mindestens 136 Tote, die bei dem Versuch starben, die Mauer zu überwinden.

Doch warum wollten die Menschen aus der DDR flüchten?

Die Deutsche Demokratische Republik wollte zwar nach außen hin demokratisch erscheinen, war es aber bei weitem nicht. Es gab nur eine einzige Partei an der Macht, die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED). Alle Andersdenkenden wurden verfolgt und mundtot gemacht. Es gab keine Versammlungsfreiheit, keine Pressefreiheit und natürlich auch keine Meinungsfreiheit. In den Ferien konnte man an die Ostsee fahren oder, wenn man eine Einladung hatte, in andere Ostblockstaaten. Reisen ins westliche Ausland dagegen waren komplett untersagt. Hier gab es nur eine Ausnahme: Rentner durften in den Westen reisen, denn wären sie dortgeblieben hätte man sich die Pensionszahlungen gespart.

Gerade für Jugendliche wurde der unerreichbare Westen zur Projektionsfläche vieler Sehnsüchte. Wurden diese aber in der Schule mit Symbolen der „westlichen Dekadenz“ wie zum Beispiel westlicher Kleidung, Platten von Rockbands aus dem Westen oder Zeitschriften mit Filmstars erwischt, zog dies Belehrung und Diffamierungen nach sich. Natürlich gab es trotzdem Punks und Hip-Hop Musik in der DDR, allerdings waren sie permanent den Repressalien durch Polizei und Staatssicherheit ausgesetzt.

Heute steht die Individualität eines Menschen im Vordergrund, zu DDR-Zeiten war es wichtig, sozialistische Persönlichkeiten heranzubilden. Das begann in der DDR schon im Kindergarten. Schon für die Kleinsten gab es Zeitungen mit propagandistischen Inhalten. In der Schule ging es dann so weiter. Schon in der ersten Klasse wurde man zum Jungpionier, bekam seine Pionieruniform und das blaue Halstuch. An Pioniernachmittagen, besonderen Feiertagen und an Tagen mit Fahnenappell war das Tragen dieser Uniform Pflicht. Ab der fünften Klasse wurde man dann Mitglied in der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“, ab der siebten Klasse Mitglied der Freien Deutschen Jugend (FDJ). War doch einmal ein Schüler in einer Klasse nicht Mitglied dieser Pionierorganisationen, erfuhr dieser Ausgrenzung, da er an keiner der zahlreichen Pionieraktivitäten, die im Klassenverband unternommen wurden, teilnehmen konnte.

Im Jahr 1989 waren 98 % aller Schüler Mitglied in der Pionierorganisation. Es gab Pioniernachmittage, Pionierlager in den Ferien, Pioniertreffen, Pionierzeitungen und Pionierlieder.

Doch auch für die Erwachsenen gab es keine freien und unabhängigen Medien, sondern nur staatliche Kontrolle und Genehmigungspflicht. Sämtliche Tages- und Wochenzeitungen der DDR waren im Besitz der SED. Auch Fernsehen und Hörfunk waren unter staatlicher Kontrolle. Westmedien waren generell verboten, da sie ja Propagandamittel des Klassenfeindes darstellten. Daher waren Westzeitungen auch eine sehr beliebte Schmuggelware. Flog der Schmuggler allerdings mit einer Westzeitschrift im Gepäck an der Grenze auf, zog dies nicht selten berufliche Nachteile nach sich.

Generell war das öffentliche Leben starken Kontrollen unterworfen. Eigens hierfür wurde in der DDR am 8. Februar 1950 das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) ins Leben gerufen. Im Jahr 1989 hatte die Stasi rund 91.000 hauptamtliche Mitarbeiter und dazu noch 190.000 inoffizielle Mitarbeiter. Gerade die inoffiziellen Mitarbeiter waren nicht so leicht zu erkennen – das konnten Nachbarn, der Hausmeister oder sogar Freunde oder Familienmitglieder sein. Inoffizielle Mitarbeiter wurden zum Teil sogar mit Druckmitteln aus allen Bevölkerungskreisen als Spitzel angeworben. Nur so war eine lückenlose Überwachung der eigenen Bürger möglich. Unter Verdacht geriet man bereits beim kleinsten politischen Widerstand gegen die SED, bei angeblicher Spionage, oder wenn man im Verdacht stand, eine Republikflucht begehen zu wollen. Auch die Post der DDR-Bürger wurde kontrolliert, täglich waren dies 90.000 Briefe. Außerdem wurden Telefone abgehört, die Menschen wurden einfach auf der Straße beobachtet, es wurden Freunde als Spitzel angeworben, Wanzen in Wohnungen versteckt und es gab sogar heimliche Wohnungsdurchsuchungen wenn der Verdächtige mal nicht zu Hause war. Neben der Observation seiner Bürger nutzte die Stasi auch Methoden der Einschüchterung, Menschen wurden einfach inhaftiert, oder es gab sogenannte „Zersetzungen“ der Opposition und von Regimekritikern.

Auch sämtliche Betriebe wurden kurzerhand verstaatlicht. So konnte das SED-Regime zum Beispiel Lebensmittel oder auch Obst genau zuteilen.

All diese Repressalien sind nur einige der Maßnahmen, die die SED-Führung ergriff, um ihre Diktatur fortzuführen. Vor allem junge Leute fühlten sich mehr und mehr unzufrieden in der DDR. Besonders mutige von Ihnen versuchten deshalb zu flüchten. Allerdings war es nicht so einfach die Grenze der DDR zu überwinden.

Wie flüchteten die Menschen über die Mauer?

Die Grenze zwischen Ost und West bestand nämlich nicht nur aus einer Mauer, sondern aus einem Grenzstreifen. Hier gab es noch eine zweite Mauer, die sogenannte „Hinterlandmauer“, Patrouillenwege für die Grenzsoldaten, Beobachtungstürme, Kfz-Sperrgräben, Signalzäune und Hundelaufanlagen. Im Laufe der Jahre wurden die Grenzanlagen immer mehr perfektioniert. Ab 1960 gab es  den Befehl, auf Republikflüchtlinge scharf zu schießen. Dieser sogenannte „Schießbefehl“ wurde 1982 sogar formal in ein Gesetz gefasst.

In den siebziger Jahren konzentrierte sich die Stasi dann verstärkt darauf, Fluchtversuche bereits herauszufinden, bevor sie durchgeführt wurden. Deshalb wurden abermals tausende von inoffiziellen Mitarbeitern eingesetzt, die alles Verdächtige aus ihrem privaten und beruflichen Umfeld melden sollten. Wenn man also flüchten wollte, durften die Fluchtpläne mit niemandem geteilt werden – nicht einmal mit den besten Freunden. Denn wurden die Fluchtpläne aufgedeckt, drohten langjährige Haftstrafen – nicht nur für die Republikflüchtlinge, sondern auch für alle vermeintlichen Mitwissenden. Für einen sogenannten “ungesetzlichen Grenzübertritt” wurde man in der DDR gut und gerne mal zu ein bis acht Jahren Haft verurteilt.

In den Jahren zwischen 1961 und 1989 gelang insgesamt 5.075 Menschen die Flucht über die Grenze der DDR. Die Fluchtwilligen in der DDR waren äußerst kreativ bei der Suche nach einem Weg über die Mauer: sie flüchteten über die Mauer, unter ihr hindurch, auf dem Wasserweg, aus der Luft, ganz offiziell über die Grenzübergänge mit gefälschten Pässen, über die anfangs noch ungesicherte Kanalisation, durch U-Bahn-Schächte, schwimmend durch die Spree, durch selbst gegrabene Tunnel, mit Dieselloks, mithilfe von betonverstärkten LKWs, in Autos oder mit Leichtflugzeugen. Viele spektakuläre Geschichten ereigneten sich dabei.

So wie zum Beispiel die der Bethke-Brüder. Ingo und Holger Bethke lebten bereits in Westberlin. Auch sie waren im Abstand von einigen Jahren in den Westen geflüchtet – Ingo 1975 auf einer Luftmatratze über die Elbe, Holger 1983 mit einer Seilbahn von einem Dach in Treptow auf ein Dach in Neukölln. Nun wollten sie unbedingt ihren jüngeren Bruder Egbert in den Westen holen. Aber wie wäre das am sichersten? Die Kontrollen an den Grenzen sind in den vergangenen Jahren immer schärfer geworden und so entscheiden sich die beiden eben über die Mauer drüber zu fliegen. Sie verkauften die gemeinsam geführte Bar in Westberlin und kaufen zwei Ultraleichtflugzeuge von dem Geld. Um noch weniger aufzufallen dekorierten sie ihre Flugzeuge mit Sowjetssternen. Am 26. Mai 1989 sollte es dann soweit sein. Die zwei starteten auf einem Sportplatz in Berlin Britz. Egbert versteckte sich derweil auf der Ostseite in einem Gebüsch im Treptower Park. Ingo und Holger überfliegen problemlos den Grenzstreifen und dann geht alles ganz schnell: Ingo landet auf der Wiese des Treptower Parks und sammelt in Windeseile seinen Bruder Egbert ein. Gemeinsam heben sie ab und starten Richtung Westberlin. Holger kreiste derweil über dem Treptower Park, um sicherzustellen dass alles glatt lief. Damit alle sicher waren auch wirklich im Westen zu sein, landeten die drei Brüder auf der Wiese vor dem Reichstagsgebäude. Hier konnten sie sich nun endlich begrüßen und in die Arme fallen. Um die wiedergewonnene Freiheit von Egbert und die gemeinsame Zukunft der drei Brüder zu feiern, ließen sie die Flugzeuge einfach stehen und machten sich schnurstracks auf den Weg zur nächsten Kneipe. Erst am nächsten Tag gingen sie zur Westberliner Polizei und klärten alles auf.

Nur gute fünf Monate später hatten sie wieder allen Grund zum Feiern: es geschah das, was kaum ein DDR-Bürger damals für möglich gehalten hatte – am 9. November 1989 wurde am Grenzübergang in der Bornholmer Straße der Schlagbaum geöffnet und Ostberliner konnten frei in den Westteil der Stadt strömen.

Wie kam es zum Mauerfall?

Schon Anfang der achtziger Jahre haben sich aus Protest gegen das SED-Regime immer mehr Gruppen gebildet. Friedens-, Umwelt-, Frauen- und Menschenrechtsgruppen taten sich zusammen und fanden unter dem Dach der Kirche einen Schutzraum. Immer mehr Menschen die unzufrieden waren schlossen sich diesen Gruppen an. Dadurch wurde es natürlich auch für die Stasi immer schwieriger, die Gruppen zu unterdrücken. Im Herbst 1989 verlor die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands dann zunehmend die Kontrolle. Auf einmal gab es auch immer mehr Demonstration mit mehr und mehr Menschen in verschiedenen Städten. Am Anfang hat die SED noch versucht mit massiven Polizeieinsätzen, Verhaftungen und Strafbefehlen die Lage mit Gewalt unter Kontrolle zu bekommen.

Ab Montag, dem 9. Oktober desselben Jahres aber war die Lage komplett aussichtslos, denn in Leipzig demonstrierten knapp 70.000 Menschen friedlich gegen die SED-Herrschaft. Eigentlich hatte die Einsatzleitung ihre Polizeikräfte und Soldaten vorher schon mit Schusswaffen ausgestattet, wegen der großen Anzahl an Menschen aber brachte sie diese nicht zum Einsatz. Ab diesem Zeitpunkt gab es jeden Montag ähnliche Demonstrationen in unterschiedlichen Städten. Am 18. Oktober 1989 trat die politische Führung der DDR zurück. Am 4. November kam es auch in Berlin zur bislang größten freien Demonstration in der DDR: mitten auf dem Berliner Alexanderplatz versammelten sich rund 200.000 Menschen. Dann überschlugen sich die Ereignisse.

Schon am Nachmittag des neunten Novembers gab es eine Pressekonferenz auf der das SED Politbüromitglied Günter Schabowski seine geschichtsträchtige Rede hielt. Er verkündete eher beiläufig, dass jeder DDR-Bürger ab sofort in den Westen reisen dürfe. Eigentlich ging es bei diesem neuen Gesetz um eine Ausreiseregelung für die Anträge gestellt werden müssen, das vergaß Schabowski aber zu erwähnen. Und so gingen seine letzten Worte dieser Rede im Jubel der Menschen unter.

Die Rede wurde vom westdeutschen Fernsehen aufgenommen und über das Westfernsehen zurück in den Osten übertragen. Dort konnten die Menschen ihr Glück gar nicht glauben und machten sich auf zu den Grenzübergängen, um sich selbst zu überzeugen. An der Bornholmer Straße geschah es dann – der Einsatzleiter dort hielt dem Druck der Massen nicht mehr stand und öffnete um 23:30 Uhr die Sperranlage für alle. Zehntausende von Menschen strömten unkontrolliert über die Brücke nach Westberlin. Im Laufe der Nacht folgten auch die anderen Grenzübergangsstellen und am 3. Oktober 1990 endete die Teilung Deutschlands ganz offiziell.

Unvergessen sind die Bilder von überglücklichen Menschen die sich im Freudentaumel in die Arme fallen. Einen Tag zuvor noch galt die Mauer als unüberwindbar, am 9. November 1989 singen, schunkeln und klatschen Menschen aus Ost und West gemeinsam auf ihr.

Brandenburger Tor 1989 © Landesarchiv Berlin

Wo kann man die Mauer heute noch sehen?

In den Jahre nach dem Fall der Mauer 1989 war die Devise erst einmal „die Mauer muss weg“. So wurden viele Zeugnisse des kalten Krieges ein für alle Mal abgetragen und vernichtet. An einigen Stellen jedoch ist sie noch heute zu sehen – die Berliner Mauer.

So zum Beispiel an der East Side Gallery. Die ist das längste noch erhaltene Teilstück der Berliner Mauer und bekannt für ihre farbenfrohen Graffiti. 118 Künstler haben sich auf ihr verewigt. In ihren Werken beschäftigen sie sich mit den politischen Ereignissen der Wendezeit. Hier findest du auch den berühmten “Bruderkuss” von Erich Honecker und Leonid Breschnew.

Auch an der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße kannst du ein Teilstück der Berliner Mauer sehen. Außerdem kannst du hier einen originalgetreu erhaltenen Teil eines Grenzstreifen besichtigen. Es gibt die Kapelle der Versöhnung, ein Dokumentations- und Besucherzentrum und das Fenster des Gedenkens.

Direkt neben dem Finanzministerium gibt es auf dem Gelände der Topographie des Terrors ebenfalls noch ein Teilstück original erhaltene Berliner Mauer, welches hier damals die Stadtteile Kreuzberg (Westberlin) und Mitte (Ostberlin) teilte.

Außerdem ist ein Teil des Mauerverlaufs im gesamten Stadtgebiet mit kleinen Pflastersteinen markiert, die quer über die Straßen der Stadt verlaufen. An besonders interessanten Punkten gibt es dazu Stehlen, die die politischen Ereignisse erklären.

Auf dem Gelände des ehemaligen Grenzübergang Bornholmer Straße wurde der Platz des 9. November 1989 angelegt. Hier ist auch eine Bildergalerie mit Fotos der Maueröffnung zu sehen. Unterhalb der Bösebrücke verläuft auf dem ehemaligen Grenzstreifen ein Teil des Berliner Mauerweges.

Falls du auf deiner nächsten Berlin Reise Lust hast, Berlin und die Berliner Mauer auf spielerische Art und Weise zu entdecken, können wir dir wärmstens das Berlin City Game empfehlen. Das Sightseeing Escape Game lässt dich durch Rätsel und Aufgaben verschiedene Orte und Sehenswürdigkeiten rund um die Berliner Mauer entdecken. Hier findest du mehr Infos zum Spiel.

gedaenkstaette14©visitberlin Foto: Dagmar Schwelle 2016

Adressen, Öffnungszeiten und Tickets

Gedenkstätte Berliner Mauer

Bernauer Straße 111, 13355 Berlin

Tel: 030-467986666

Öffnungszeiten:

Besucherzentrum und Dokumentationszentrum: Dienstag – Sonntag 10:00 Uhr – 18:00 Uhr

Ausstellung im Gedenkstättenareal: Montag – Sonntag 08:00 Uhr – 22:00 Uhr

Tickets:

Eintritt frei

Topographie des Terrors

Niederkirchnerstraße 8, 10963 Berlin

Öffnungszeiten:

täglich 09:00 Uhr – 20:00 Uhr, Außenbereiche bis Einbruch der Dunkelheit

Tickets:

Der Eintritt zur Besichtigung der Mauerresteist frei.

East Side Gallery

Mühlenstraße 3-100, 10243 Berlin

Öffnungszeiten & Tickets:

Die East Side Gallery ist immer geöffnet, der Eintritt ist kostenfrei.

 

 

Ines
ines@berlin-city-game.com

Ich liebe Berlin! Als eine der wenigen waschechten Berliner möchte ich dir meine Stadt zeigen. In Ost-Berlin geboren und aufgewachsen schreibe ich hier nicht nur über die typischen Sehenswürdigkeiten Berlins sondern auch über die Berliner Mauer und vielleicht nicht so offensichtliche aber dennoch spannende Orte in der Stadt. Komm mit auf die Reise nach Berlin und lass uns gern einen Kommentar da!

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