alles über Berlin

Berlins Top Sehenswürdigkeiten – die East Side Gallery

Berlins Top Sehenswürdigkeiten – die East Side Gallery

Direkt am Spreeufer, mitten im angesagten Berliner Bezirk Friedrichshain und super zum Selfies schießen: die East Side Gallery Berlin ist nicht nur Denkmal der Teilung einer Stadt sondern auch Leinwand für mehr als 100 Gemälde von Künstlern die sich mit dem Thema Teilung und Wiedervereinigung beschäftigen.

Damals Grenzstreifen, heute längste Open Air Gallerie – die Geschichte der East Side Gallery Berlin

Das längste noch erhaltene Teilstück der Berliner Mauer ist eigentlich die so genannte Hinterlandmauer, also die letzte Mauer auf Ostseite. 28 Jahre lang teilte die Spree an dieser Stelle den Ostberliner Stadtbezirk Friedrichshain und den Westberliner Bezirk Kreuzberg. Zur Schaffung eines „freien Sicht- und Schussfeldes“ wurde die Randbebauung hier 1977, bis auf den Mühlenspeicher, komplett abgerissen. Um keinen Blick auf den Grenzstreifen frei zu geben, wurde die Mauer hier auch besonders hoch gebaut. Nach der Wiedervereinigung 1990 wurden die Mauerstücke von insgesamt 118 Künstlern aus 21 Ländern bemalt.

Dabei entstand die East Side Gallery zunächst einmal aus der Not heraus: die Bildenden Künstler der DDR wussten nach der Wende nicht, wie sie von ihrer Kunst leben sollten und holten sich Ratschläge bei ihren westdeutschen Kollegen. Hieraus entstand das gemeinsame Projekt „East Side Gallery“. Künstler aus aller Welt wurden eingeladen, an dem Projekt teilzunehmen. Am 28. September 1990 war es dann endlich soweit: Die East Side Gallery wurde eröffnet.

Doch einen Schreckensmoment gab es aus heutiger Sicht noch: beinahe wäre die East Side Gallery zur Werbefläche geworden. Ein Glück bestand damals kein größeres Interesse an den Flächen und im November 1991 wurden die Mauerreste unter Denkmalschutz gestellt.

Doch leider machen weder die Witterung noch die Schmierereien vor den Gemälden halt. Mit den Jahren bekamen die Bilder immer mehr witterungsbedingte Schäden, Möchtegern-Künstler taten ihr übriges und bemalten viele der Kunstwerke mit ihren Graffiti-Schmierereien. Daher erfolgten mehrere Sanierungen. Bei der letzten Sanierung 2008 musste auch das Mauerwerk instand gesetzt werden. 87 der noch lebenden Künstler reisten an und erneuerten ihre Gemälde. Einige Künstler waren aber mit der Aufwandsentschädigung nicht einverstanden und weigerten sich ihre Bilder erneut zu malen. So entstanden die weißen frei bleibenden Teile auf der Mauer.

Seit 2018 kümmert sich die Stiftung Berliner Mauer um den Erhalt der East Side Gallery. In der Vergangenheit hatte es immer wieder Proteste gegen das Projekt Mediaspree gegeben. Für den Neubau von Luxuswohnungen am Spreeufer wurden Teilstücke der Berliner Mauer herausgenommen. Die Stiftung Berliner Mauer schließt dies zukünftig aus.

Freiheit, Demokratie und Küsse unter Brüdern

Auf den mehr als 100 Gemälden drücken die Künstler ihre Gedanken und ihre Freude über die Wiedervereinigung aus. Der Wunsch nach Freiheit war eben doch stärker, als Zwangsmaßnahmen und eine Mauer.

Das wohl berühmteste Bild entlang des 1316 Meter langen Mauerstreifens ist eindeutig der „Bruderkuss“ von Dimitri Vrubl. Doch wer küsst sich da eigentlich? Und vor allem: warum?

Der Bruderkuss

Du findest den Bruderkuss recht leicht – er ist dort wo all die Menschen mit ihren Kameras stehen. Natürlich darf ein Foto mit einem Kuss hiervor nicht fehlen.

Das berühmte Bild zeigt den ehemaligen Staatschef der DDR Erich Honecker und Leonid Breschnew. Das Bild beruht auf einem Foto, welches am 07. Oktober 1979 ist Ost-Berlin aufgenommen wurde. An diesem Tag fand der 30. Jahrestag der DDR statt und Leonid Breschnew und Erich Honecker besiegelten einen Zehnjahresvertrag gegenseitiger Unterstützung. Nach der Rede nahm Breschnew seine Brille ab, streckte die Arme aus und die beiden Männer drückten ihre Lippen aufeinander.

Solch ein Bruderkuss war damals übrigens ein typisches Ritual unter den Machtvertretern osteuropäischer Länder. Man wollte damit die Verbundenheit sozialistischer Staaten demonstrieren. Erst gab es nur eine innige Umarmung und einen dreimaligen Kuss auf die Wangen, doch die ostdeutschen Parteileiter setzten noch einen drauf und küssten sich mit direktem Lippenkontakt direkt auf den Mund.

Elf Jahre nach diesem berühmten Foto steckte der russische Maler Dimitri Wrubl im privaten Liebesleid, weil er sich zwischen zwei Frauen entscheiden musste. Deshalb erhielt das Bild auf der Mauer den Untertitel „Mein Gott hilf mir dieses Leid zu überstehen“.

Das Werk von Wrubel gehört auch zu den 2009 restaurierten Gemälden. Am 16. Juni 2009 ließen sich Wrubel und der damalige Fotograf der Szene Régis Bossu vor dem Mauergemälde gemeinsam fotografieren.

Ein Trabi bricht durch die Mauer

Fast genauso berühmt wie der Bruderkuss ist Birgit Kinders Trabi-Bild „test the rest“. Der Trabant der durch die Mauer zu krachen scheint, symbolisiert als meistgefahrenes Auto in der DDR perfekt Ostdeutschland. Der Trabant, im Osten auch liebevoll „Rennpappe“ genannt war so gar nicht belastbar und übersteht den Mauerdurchbruch doch ohne große Kratzer – eine Metapher für die friedliche Revolution, die ohne Verletzungen stattfand. Der Name „test the rest“ steht für die Neugier der damaligen Zeit, die andere Seite der Stadt zu entdecken. Unzählige Menschen – viele davon auch in ihren Trabis – machten sich damals auf in den Westen, um zu schauen wie es „drüben“ so war.
Doch dann war das Gemälde für einige Zeit komplett von der East Side Gallery verschwunden. Warum nur? Das hängt mit einem Rechtstreit zusammen. Im Jahr 2010 meldete ein Unternehmen eine Wort- und Bildmarke des Trabi-Bildes als geschützte Marke an um sich die Rechte an der Vermarktung zu sichern. Jeder, der dieses Bild also verwendete wurde verklagt, da dies angeblich Urheberrechte verletzte. Birgit Kinder beauftragte daraufhin die Löschung dieser Marke, was ihr nach langem Rechtsstreit auch gelang. Seit 2018 ist die Löschung rechtskräftig und Birgit Kinder konnte ihr Wendebild wieder an der East Side Gallery zeigen.

Weitere berühmte Bilder an der East Side Gallery Berlin

Der Französische Künstler Thierry Noir begann schon vor dem Mauerfall die graue Mauer bunter zu bemalen – natürlich von der Westseite aus. Als dann die Mauer fiel war er einer der Künstler, die an der East Side Gallery Berlin ihren Gedanken freien Lauf ließen. Die sehr farbenfrohen Bilder sollten – trotz der angespannten Lage – Lebensfreude ausstrahlen, jedoch die Mauer nicht verschönern.

Der Deutsch-Iraner Kani Alavi malte das Bild „Es geschah im November“. Der Künstler kam zum Studieren nach Westberlin und lebte in den 80er Jahren nah am Checkpoint Charlie. Hier konnte er auch die Ereignisse am 9. November 1989 mitverfolgen. So sah er direkt aus seinem Fenster hunderte Menschen über den Grenzübergang Richtung Westen strömen. In seinem Gemälde an der East Side Gallery stellt er die vielen verschiedenen Gesichtsausdrücke dar, die er an diesem Tag sah.

Das Kunstwerk „Diagonale Lösung des Problems“ von Mikhail Serebryakov zeigt eine diagonale Kette die zwischen Daumen und Handgelenk gespannt ist und die vom DDR Regime erzwungene ewig positive Haltung gegenüber dem Kommunismus zeigen soll.

In der Nähe der East Side Gallery

Auf der anderen Seite der East Side Gallery, da wo zu DDR Zeiten der Grenzstreifen war, gibt es heute grüne Wiesen entlang des Spreeufers mit Cafés, Booten, und Schiffsanlegern. Ein wirklich schöner Ort für alle, die Sonnenstrahlen zu am Wasser zu genießen oder sich nach einer langen Besichtigung der längsten Freiluftgalerie der Welt eine wohlverdiente Pause zu gönnen.

Auch die Oberbaumbrücke ist nicht weit. Sie verbindet die Stadtbezirke Friedrichshain (ehemals Ostberlin) und Kreuzberg (ehemals Westberlin) miteinander und war während des Kalten Krieges durch die Mauer gesperrt. Heute ist sie restauriert eines der bekanntesten Symbole der Vereinigung beider deutscher Staaten.

Solltet ihr hier gerade Hunger haben können wir euch einen saftigen Burger beim Burgermeister sehr empfehlen. Bummelt dazu einfach über die Oberbaumbrücke bis zum U-Bahnhof Schlesisches Tor. Die Burger hier sind richtig gut und wo kann man schon mal einen Burger in einem ehemaligen Toilettenhäuschen genießen?

Vielleicht wollt ihr ja auch mal typisches DDR-Essen ausprobieren? Das Restaurant Volkskammer bietet nicht weit entfernt typische Ost-Gerichte in einem originalgetreu nachempfundenen Ambiente.

Wer auch nachts in die Welt der DDR zurück versetzt werden möchte, kann im Ostel nahe der East Side Gallery übernachten. Das Hotel befindet sich nicht nur in einem Plattenbau, auch die Zimmer sind (fast) originalgetreu ausgestattet.

ADRESSE:

East Side Gallery , Mühlenstraße 3 – 100, 10243 Berlin

ÖFFNUNGSZEITEN & TICKETS:

Die East Side Gallery ist 24h rund um die Uhr geöffnet und kostenfrei. Wer geführte Touren buchen möchte, kann dies am besten hier tun.

SO KOMMST DU HIN:

S3, S5, S7, S9, S75 bis S-Bahnhof Warschauer Straße

U1, U3 bis U-Bahnhof Warschauer Straße

Tram M10 bis S- und U-Bahnhof Warschauer Straße

Bus 300, 347 oder N1 bis S- und U-Bahnhof Warschauer Straße

Adressen in der Nähe

Restaurant Volkskammer

Straße der Pariser Kommune 18b, 10243 Berlin
Öffnungszeiten: Täglich 11:00 Uhr bis 22:00 Uhr
www.volkskammer.de

Ostel Hostel

Wriezener Karree 5, 10243 Berlin
www.ostel.eu

Burgermeister

Unter dem U-Bahnhof Schlesisches Tor
Oberbaumstraße 8, 10997 Berlin
Öffnungszeiten:
Montag – Donnerstag: 11:00 Uhr – 03:00 Uhr
Freitag: 11:00 Uhr – 04:00 Uhr
Samstag: 12:00 Uhr – 04:00 Uhr
Sonntag: 12:00 Uhr – 03:00 Uhr
www.burger-meister.de

Ines
ines@berlin-city-game.com

Ich liebe Berlin! Als eine der wenigen waschechten Berliner möchte ich dir meine Stadt zeigen. In Ost-Berlin geboren und aufgewachsen schreibe ich hier nicht nur über die typischen Sehenswürdigkeiten Berlins sondern auch über die Berliner Mauer und vielleicht nicht so offensichtliche aber dennoch spannende Orte in der Stadt. Komm mit auf die Reise nach Berlin und lass uns gern einen Kommentar da!

No Comments

Post A Comment